Beschreibung
Als Ted Swenson der talentierten Schülerin Angela Argo seine Hilfe beim Schreiben anbietet, begeht er einen verhängnisvollen Fehler. Ein bisschen wie Woody Allen, ein bisschen wie David Lodge, und alles in allem ganz schön durchtrieben.
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Autorenportrait
Francine Prose, geboren 1947, lebt in New York. Sie ist Schriftstellerin, Essayistin und Kritikerin für Harper's, die New York Times, den New Yorker und das Wall Street Journal. Prose gilt heute als eine der einflussreichsten Kritikerinnen in den USA. Sie veröffentlichte mehrere Romane, Kurzgeschichten und Sachbücher und wurde mit einer Vielzahl von Preisen und Stipendien ausgezeichnet.
Leseprobe
SWENSON SCHLÄFT FAST DIE GANZE NACHT NICHT. Ob er nicht besser Sherrie weckt und seine Pläne für den nächsten Tag mit ihr bespricht? Hätte er das Thema nicht früher anschneiden können, irgendwann im Laufe des Abends? Warum hat er bloß keine Lust gehabt, davon anzufangen? Was steckt bloß dahinter? Ist es falsch, eine Studentin zu Computer City zu fahren, ohne seiner Ehegefährtin das mitzuteilen? Oder sich die ganze Nacht im Bett herumzuwälzen, weil man einen Vormittag mit einer Studentin im zweiten Studienjahr zu verbringen gedenkt, die an Literarisches Schreiben I teilnimmt? Swenson stöhnt vor Scham. Wenn er nun Sherrie aufweckt und ihr dies Gestöhne erklären muss? Er wird sagen, dass ihm gerade eine Sache aus dem Fachbereich eingefallen sei. Er lügt Sherrie nie an. Hier fängt der Betrug an. Es gibt aber keinen Grund, weshalb Sherrie Bescheid wissen sollte. Nicht, dass sie normalerweise eifersüchtig wäre. Swenson hat jedoch nicht vergessen, welche Wirkung Angelas Name auf Magda gehabt hat. Selbst wenn Sherrie versteht, dass er einer begabten Studentin lediglich einen Gefallen tut, bleibt das doch Munition zum künftigen Gebrauch. Was das denn heißen solle, er habe keine Zeit, die Rechnungen zu bezahlen oder den Geschirrspüler auszuräumen? Er habe ja schließlich auch Zeit, um irgendein junges Ding sechzig Meilen bis Burlington zu fahren. Es ist aber nicht irgendein junges Ding. Doch das soll einer Sherrie mal klarmachen. Darf er etwa nicht in die Stadt fahren, ohne das vorher mit ihr zu besprechen? Was glaubt Sherrie denn, was er den ganzen Tag tut? Und was tut Sherrie selbst? Mit süßen Studenten flirten, die sich dann als doch nicht herzkrank erweisen? Obwohl er nicht geschlafen hat, tut er so, als läge er in tiefem Schlummer, als Sherrie aufwacht und aufsteht. Er ignoriert den verführerischen Kaffeeduft und vergräbt sich in die Kissen, bis er ihr Auto aus der Einfahrt fahren hört. Dann drängt es ihn, aufzuspringen und hinauszulaufen und zu beichten, was er heute vorhat, denn wenn er es Sherrie nicht erzählt, wird es so aussehen, als bedeute die Fahrt nach Burlington etwas, besonders, falls ihn jemand mit Angela sieht und es Sherrie erzählt, oder falls er und Angela unterwegs bei einem Verkehrsunfall umkommen sollten und sein Tod ein Vermächtnis des Grauens à la Jackson Pollock für Sherrie würde, mit dem sie ihr ganzes künftiges Leben leben müsste. Er sehnt sich danach, hinter Sherrie herzurasen und ihr die Worte nachzubrüllen, die er immer sagt, wenn sie losfährt: Fahr langsam! Sei vorsichtig! Ruby hat immer gesagt, was er eigentlich meine, sei: Bitte stirb nicht. Aber wirkt das denn nicht. wie der reine Krampf, halb nackt auf die Einfahrt hinauszurennen und seiner Frau zu sagen, dass er sie liebt, und, apropos, ganz zu erwähnen vergessen hat, dass er den Tag mit einer Studentin in Burlington zu verbringen beabsichtigt? Warum sollte er überhaupt sagen, dass es sich um eine Studentin handelt? Weil Sherrie an diesem Punkt danach fragen wird. Mit unerhörter, erwachsener Selbstbeherrschung widersteht Swenson dem Impuls. Nach einer Weile steht er auf und duscht und lässt das heiße Wasser auf sich niederprasseln, bis er vor Wohlgefühl geradezu dampft. Deshalb ist er auch unvorbereitet auf das schockierende Erlebnis, als er den beschlagenen Spiegel abwischt und das verschmierte Gesicht eines hässlichen alten Mannes erblickt: ergrauend, fleckig, mit dünner werdendem, angeklatschtem Haar, Kehllappen unter dem Kinn, dichten Bartstoppeln, die aus schwarzen kraterähnlichen Poren sprießen. Er biegt die Zungenspitze nach hinten. Diese Füllung ist wirklich lose. Ach, du lieber Gott. Früher war er ein recht gut aussehender Mann gewesen. Er nimmt ein Döschen von Sherrie Leseprobe